Freiwillige Feuerwehr Herzogenaurach e.V.

Geschichtliche Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehr Herzogenaurach

 
Die Freiwillige Feuerwehr Herzogenaurach hat, wie viele andere Wehren, ihren Ursprung in der Turnbewegung, denn der Turnverein Herzogenaurach war es, der als erster Verein in Herzogenaurach eine freiwillige geordnete Löschhilfe leistete.
Dem verstorbenen Vorstand des Turnvereins, dem Lehrer und Historiker Bernhard Dietz, ist es auch zu verdanken, daß hier eine kurze Schilderung über die Entwicklung des Feuerlöschwesens in Herzogenaurach gegeben werden kann.
In den Jahren vor 1867 war die unmittelbare Bekämpfung der Brände den Handwerkervereinigungen (Zünften) zur Pflicht gemacht. Der Magistrat erließ damals die Löschordnung und bestimmte, wer bei Feuersgefahr Löschhilfe leisten mußte.
Um die vielen Diebstähle während der Brände zu verhindern, erließ die Stadt 1865 eine dritte Löschordnung, in welcher besonders Bedacht genommen wurde, auf die Rettung von Personen und die Sicherstellung des Eigentums. Da heißt es: "Zur Rettung der durch Feuersgefahr bedrohten Personen sowie des bedrohten Eigentums, besteht ein eigener Verein, "Korps der Retter" genannt." Dieses Korps bestand aus 10-20 Mitgliedern und wurde dirigiert von einem Kommandanten, bei dessen Verhinderung durch einen 2. Vorstand. In das Korps der Retter konnten nur Leute "von ganz unbescholtenem Lebenswandel, von erprobter Redlichkeit und zugleich von Mut und Entschlossenheit" aufgenommen werden.
Das so gebildete Korps der Retter setzte sich nur aus Turnvereinsmitgliedern zusammen. Kommandant war der 1. Vorstand des Vereins. In einer Versammlung des Turnvereins am 8. November 1867 faßten die Mitglieder den einstimmigen Beschluß, daß der Turnverein in seiner Gesamtheit die förmliche Einrichtung eines eigenen Feuerwehrkorps zu übernehmen bereit ist, wenn ihm die nötige Unterstützung von Seiten der Stadt und einer Feuerversicherung zuteil wird. Mit dieser schriftlichen Erklärung trat ihr Vorstand Peter Zielbauer am 10. November an die Stadt heran. Der Magistrat gab dem Ersuchen der Turner statt und händigte ihnen am 27. November 1867 3 Laternen, 4 Stricke, 1 Bindseil und 4 Säcke sowie 12 weißblaue Armbinden aus.
1868 erhielt man von der Stadt 30 Armbinden, 12 Sicherheitshaken, 1 neue eichene Steigleiter, 6 Hanfgurte, 3 Beile, 3 Beiltaschen, 6 neue Leinen für ein Sprungtuch, 1869 2 große Hacken, 9 Beile mit je einer Ledertasche, 15 Leibgurte und 15 Leinen.
Zielbauer wußte der Stadt zu sagen, was ihre Pflicht war und erreichte nach und nach eine ganz zufriedenstellende Ausrüstung seiner Mannschaft. So überließ die Stadt, die von der München-Aachener-Mobiliar? und Feuer-Versicherung geschenkte (Juli 1864) zweirädrige Druckfeuerspritze (von Joseph Beduwe aus Aachen im Werte von 192 fl) dem Turnverein.
Diese Maschine, die sich so außerordentlich bewährt hat, ist wohl manchem noch unter dem Namen "Turnerspritze", bekannt. Die Turner hielten eifrig ihre Übungen ab und boten der Einwohnerschaft ein ganz neues Bild, wenn sie in einheitlicher Kleidung (graue Turnkleidung) sonntags schon früh mit ihrer Spritze fast militärisch stramm exerzierten. So waren 9 Mann zur Besteigung der Dächer und der Hausräume bestimmt, 12 speziell zu Rettern bestellt und die übrigen zur Bildung von Wasserketten verwendet.
Den ersten Beweis ihres Könnens legte die Turner-Feuerwehr am 30. Oktober 1868 ab, als der Stall und die Scheune des Bäckermeisters Konrad Lierheimer in Flammen standen. Am 18. Mai 1869 abends brach in der gefüllten Scheune des Weißgerbers Maidt Feuer aus. Bald saßen die drei Turner Andreas Kurr, Georg Kaiser und Georg Dengler auf dem Dach und zeichneten sich durch ihre Unerschrockenheit aus. Als aber der Giebel eingestürzt war, mußten sie die eigene Rettung suchen. Sie rutschten an den glühenden Dachsparren ab, verbrannten sich die Hände und fielen zu allem Überfluß noch in die Jauchegrube. Von diesem Tage an hatte sich die Turner-Feuerwehr die Sympathien in Herzogenaurach erobert. Der Magistrat händigte ihr nun das sämtliche Löschgerät, auch alle Spritzen aus.
Um 1877 wünschte der damals schon recht starke katholische Gesellenverein die Feuerwehr zu übernehmen. Die Turner traten ab. 1881 schlug der Blitz in das Anwesen des Sattlers Chr. Klumm ein. Die Turner fanden sich mit nicht ganz unterdrückter höhnischer Neugierde als Zuschauer ein. Die Loschtätigkeit klappte schlecht, und der Kommandant Herold bat die Turner um Mithilfe. Diese folgten sofort dem Appell. Kurr war der erste auf der Leiter und büßte, als ihm ein Helfer ungeschickt das Strahlrohr reichte, ein Auge ein.