Freiwillige Feuerwehr Herzogenaurach e.V.

Ein Benzinkanister neben einer Wärmeleitung führt zur Brandkatastrophe in der Garage

vom   16. Januar 2006

Rund 60 Partygäste feierten in der Garage des Geburtstagskindes. Ein Heizaggregat außerhalb des Raumes sorgte für die nötige Wärme bei Außentemperaturen im Minus-Bereich. Viel zu spät bemerkten einige der Gäste, dass ein metallener Benzinkanister zu dicht am Wärme zuführenden Rohr stand und sich stetig erhitzte. Das Benzin- oder Dieselgemisch – dazu konnte Ralf Koch von der Polizei noch keine weiteren Angaben machen – entwickelte Dämpfe, die zu einem Überdruck führten. Durch den Deckel entwich ein Teil der Gase mit einem Zischen. Der Gastgeber bemerkte dies und trug den Behälter hinaus.
Dabei wurde vermutlich der Deckel komplett geöffnet und die Gase traten aus. Brennende Kerzen oder Zigaretten entzündeten das Gas und führten zur Verpuffung.
Die Feuerwalze, die sich entlang der Decke über den Raum ausbreitete, verursachte Temperaturen zwischen 800 und 1500 Grad. Diese reichen aus, um leicht brennbares Material, wie Holzbänke, Kunststoffe oder Kleidungen zu entzünden. Es entstanden in der Folge mehrere Brandherde. 39 Personen wurden verletzt, neun davon schwer. Nach Angaben der Feuerwehr und der Polizei hätte das Unglück noch viel schlimmer ausgehen können. Matthias Rocca erlebte die Sekunden den Unglücks mit und schilderte dem FT den Vorfall. „Wir saßen gemütlich beisammen und feierten halt. Ich saß schräg gegenüber der seitlichen Eingangstür, das große Garagentor war verschlossen. Wir hörten ein Zischen, und ich sah, dass der Gastgeber den Kanister raus tragen wollte. Und in dem Moment passierte es schon. Überall war Feuer und es war heiß. Panik brach aus. Ich kam irgendwie raus und half dann beim Rausziehen. Die Leute lagen zum Teil mit sieben, acht Personen an der Tür übereinander.“ Rocca, selber Feuerwehrmann bei der Freiwilligen Feuerwehr Herzogenaurach, überblickte die Lage relativ schnell. „Zum Glück hatten einige Feuerwehrler mitgefeiert und konnten helfen“, sagte Rocca.
Das dieses Unglück nicht schlimmer ausging, war dem Umstand zu verdanken, dass der Vater des Gastgebers ebenfalls 40 Jahre bei der Feuerwehr gearbeitet hat. Ein bereitliegender Gartenschlauch im Keller diente als Erste Hilfe gegen das Garagenfeuer. So konnten sich die herbeigerufenen Feuerwehrkräfte, zwei komplette Löschzüge (50Mann und zehn Autos), auf die Versorgung der Verletzten konzentrieren. Kommandant Siegbert Sendner erklärte, dass eine Halle in der Wache kurzfristig als Notquartier genutzt wurde. Damit konnten die hinzu gerufenen Rettungsdienste Rotes Kreuz und Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) die Wache direkt anfahren, um die Versorgung dort zu übernehmen.
Die Schwerverletzten wurden vom Einsatzort direkt in die umliegenden Kliniken in Erlangen, Nürnberg und Fürth verbracht. Neben den gut 90 Kräften vom Roten Kreuz und vom ASB sowie 30 Fahrzeugen waren Notfallseelsorger im Einsatz, die eine psychologische Betreuung sicherstellten. „Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion“, in diese Richtung ermittelt nun die Polizei Herzogenaurach. Die Kripo will sich nach eigenen Angaben mit der sachgemäßen Lagerung beschäftigen, aber auch mit dem Inhalt des Behälters. Für Einzelheiten sei es allerdings zu früh. Die Verletzungen selber sind auf die Verpuffung selber zurückzuführen, aber auch auf Verletzungen durch die aufgetretene Panik. Die Schwerstverletzten kämpfen mit einem so genannten Inhalationstrauma. Auch der Jubilar zählt zu ihnen. Herzogenaurachs Erster Bürgermeister Hans Lang sagte, dass „die jungen Menschen knapp an einer noch größeren Katastrophe vorbeigerutscht sind.“ Er dankte den Rettungskräften, die hervorragend, Hand in Hand zusammengearbeitet haben.